Mehrdeutigkeit

Warum brauchen KI-Systeme eindeutige Begriffe in Webtexten?

KI-Systeme müssen erkennen, welche Bedeutung ein Begriff in einer Frage oder einer Quelle hat. Wird die falsche Bedeutung zugrunde gelegt, können unpassende Informationen gesucht oder Aussagen falsch wiedergegeben werden. Genaue Bezeichnungen, erklärte Fachbegriffe und klare Bezüge liefern dem Sprachmodell die Angaben, die es für die richtige Zuordnung benötigt.

Eine mehrdeutige Frage kann zu unpassenden Suchergebnissen führen

Die Suchanfrage „günstige Bank“ lässt offen, ob ein preiswertes Sitzmöbel oder ein Finanzinstitut mit günstigen Konditionen gesucht wird. Richtet ein KI-Suchsystem seine Suche auf die falsche Bedeutung aus, können die gefundenen Informationen am Anliegen vorbeigehen. Eine sprachlich schlüssige Antwort wäre dann trotzdem keine passende Antwort auf die gemeinte Frage.

Ergänzungen wie „günstige Gartenbank“ oder „Bank mit niedrigen Kontoführungsgebühren“ machen den Unterschied deutlich. Für Webtexte folgt daraus: Eine Seite sollte ausdrücklich benennen, welchen Gegenstand sie beschreibt. So enthält sie Hinweise, anhand derer ihre Aussagen der passenden Bedeutung zugeordnet werden können.

Was Studien über die Klärung von Wortbedeutungen zeigen

Zhong und Ng untersuchten in „Word Sense Disambiguation Improves Information Retrieval“, wie die Bestimmung von Wortbedeutungen die Suche nach passenden Dokumenten verbessern kann. Ihr Verfahren berücksichtigte Bedeutungen sowohl in kurzen Suchanfragen als auch in den durchsuchten Texten. In Versuchen mit standardisierten Textsammlungen erzielten sie bessere Suchergebnisse als das verwendete Vergleichsverfahren.

Die Arbeit untersucht ein klassisches Suchverfahren. Sie zeigt nicht, dass heutige KI-Suchdienste nach demselben Verfahren arbeiten oder dass eine bestimmte Umformulierung automatisch die Sichtbarkeit einer Webseite erhöht. Für die Textgestaltung lässt sich daraus ableiten, dass die gemeinte Bedeutung möglichst klar aus den Angaben einer Seite hervorgehen sollte.

Auch ein einzelner Textauszug muss den Gegenstand erkennen lassen

Bei einer KI-Suche kann das Sprachmodell nur einen Abschnitt einer Webseite erhalten. Eine Erklärung, die ausschließlich in einem anderen Abschnitt steht, liegt ihm dann möglicherweise nicht vor. Bezeichnungen wie „das Modell“ oder „das System“ können dadurch unklar bleiben.

Eine Überschrift wie „So funktioniert das Modell“ benennt noch nicht, welche Art von Modell beschrieben wird. „So erzeugt ein Sprachmodell Text“ nennt dagegen den Gegenstand und den Vorgang. Auch im zugehörigen Absatz sollte erkennbar sein, worauf sich die Aussagen beziehen.

Dasselbe gilt für Wörter wie „dies“, „es“ oder „dort“. Verweist ein solches Wort auf eine Erklärung außerhalb des Auszugs, fehlt dem Modell unter Umständen der Bezug. In diesem Fall ist es sinnvoll, den gemeinten Begriff erneut zu nennen.

Gleiche Begriffe sollten dieselbe Sache bezeichnen

Wenn ein Text zwischen mehreren Bezeichnungen wechselt, sollte erkennbar bleiben, ob damit dieselbe Sache oder etwas anderes gemeint ist. Ein Fachbegriff sollte deshalb innerhalb der Seite dieselbe Bedeutung behalten. Abkürzungen werden bei ihrer ersten Verwendung ausgeschrieben und erklärt.

Verschiedene Bezeichnungen sind möglich, wenn ihr Zusammenhang deutlich wird. Eine Erklärung kann beispielsweise den Fachbegriff und eine gebräuchliche Bezeichnung zusammen nennen. Entscheidend ist, dass der Wechsel keine neue Bedeutung nahelegt. Das Sprachmodell erhält dadurch eine klare Grundlage, um Aussagen aus mehreren Abschnitten miteinander zu verbinden.

Zahlen und Vergleiche brauchen einen eindeutigen Bezug

Auch eine Zahl kann ohne ergänzende Angaben mehrdeutig sein. „20 Prozent schneller“ lässt offen, was gemessen wurde, womit verglichen wurde und unter welchen Bedingungen die Messung stattfand. Das Sprachmodell kann diese fehlenden Angaben nicht aus der Zahl allein entnehmen.

Bei Messwerten sollten deshalb die gemessene Größe, die Einheit und relevante Bedingungen genannt werden. Bei Prozentangaben muss deutlich sein, worauf sich der Anteil oder die Veränderung bezieht. Diese Angaben gehören direkt zur Zahl, damit sie auch in einem einzelnen Textauszug zusammen vorliegen.

Quelle: Zhong und Ng – „Word Sense Disambiguation Improves Information Retrieval“

https://aclanthology.org/P12-1029/

Min und Mitautoren untersuchen in „AmbigQA: Answering Ambiguous Open-domain Questions“, wie eine mehrdeutige Frage mehrere plausible Antworten haben kann. Die Aufgabe besteht darin, die möglichen Antworten zu finden und die Frage für jede Antwort so umzuformulieren, dass die gemeinte Bedeutung eindeutig wird.

https://arxiv.org/abs/2004.10645

Porträt von Hans Bordin

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